9. Bericht

 

Km 16800 - 18700 Fahrzeit 277h - 308h

 

Gabon, Republik Kongo

 

Genug ausgeruht. Nach der längeren Pause in Kamerun werden nun wieder ein paar Kilometer vernichtet. An die schöne Piste von Kribi schließt sich nun ab Ebolowa gen Süden eine gut ausgebaute Straße an, die mich bis an die Grenze Gabons begleitet. Der unkomplizierten Ausreise aus Kamerun folgt eine etwas umständliche Einreise nach Gabon. Den nötigen Einreisestempel gibt es entgegen der üblichen Gepflogenheiten nicht an der Grenze, sondern erst im nächsten größeren Ort. Da die Behörde der Imigration jedoch bereits ab 15:00 geschlossen ist, verbringe ich die Nacht in Bitam um mir den Stempel am nächsten Morgen zu holen. Im Kontrast zum schäbigen aber günstigen "Voyagers Motel", Fruehstueck811024951 9205steht gegenüber das Mauretanische Restaurant. Typisch für muslimische Restaurants: Sehr sauber, gesunde Kost und man kann ein nettes Schwätzchen mit dem Chef führen. Vorm schlafen gehen wird noch der Luftfilter gereinigt und über Nacht mit dem Ventilator des Hotels getrocknet. Den Einreisestempel gibt es am nächsten Morgen nach einem kurzem Gespräch mit dem zuständigen Officer. Die üblichen Fragen: Woher, Wohin, Warum?05Traumpiste nach Makoukou, Gabon07Man merkt das die Regenzeit begonnen hat. Dafuer ist es schattigDann gehts über Lalara nach Makoukou. Von den Straßen in Gabun kann man nur beeindruckt sein. Von den Chinesen in weiten Kurven mit griffigem Asphalt durch das Grün des Dschungels gezogen, ist es ein Genuss das Bike von rechts nach links zu schmeißen, immer der Mittellinie folgend. Die Straße scheint nur für mich gebaut zu sein. Von der aufgehenden Sonne bis zum Nachtlager sind mir nicht mal eine Hand voll Autos und Lkws begegnet. Die letzten Kilometer vor Maloukou bestehen dann plötzlich nur noch aus einer schmalen Piste. Scheinbar war das Geld für den Asphalt aufgebraucht. Auf dieser Strecke fahre ich dann auch noch beim Überholen eines Trucks, dank der plötzlich auf die Piste springenden Schlaglöcher, in den Graben. Nun bin ich gezwungen hin und wieder zu pumpen, da sich bei dem Sturz neben der Piste ein Dorn in den Reifen gefressen haben muss. So wird das Hotel nahe der Reifenwerkstatt genommen und nachts der Schlauch geflickt und der Lenker begradigt. Mein einziger Spiegel hat sich bei dem Sturz einen Trümmerbruch zugezogen. Irreparabel. Von Maloukou führt eine traumhafte Piste gen Süden über den Äquator.06Umgeben von Urwaldriesen wirkt die XT ziehrlich04Irgendwo hier liegt der Aequator Aus roter Erde, in leichten Steigungen und weiten Kurven, von mannshohem Gras und haushohen Bäumen in intensivem Grün gesäumt, schlängelt sie sich 350 Km durch den Dschungel. Kurz vor Akieni beginnt wieder eine neue Straße. Den ganzen Tag gefahren, wird in der Dämmerung ein Feuer entzündet und beim Steinzeitfernsehen entspannt. Am Morgen ist mal wieder Pumpen angesagt. Bei einigermaßen konstantem Luftdruck geht es wieder auf die neue Straße. 3 Km vor Akieni, der ersten Tankstelle seit 650Km, geht mir das Benzin aus. Ein netter Gabuner ist direkt zur Stelle und fährt mit seinem Kanister zur Tankstelle um mich zu versorgen. Weiter geht es nach Franceville. Die Suche nach einem neuen Schlauch für mein Hinterrad bleibt erfolglos. Nochmal flicken ist angesagt. Mit der Hoffnung, dass es diesmal hält, breche ich zur Grenze der Republik Kongo auf. Nicht jedoch ohne meine Vorräte an Nahrung und Wasser aufzufüllen. Am östlichen Horizont braut sich ein Sturm zusammen. Ohne Rücksicht auf Verluste gebe ich der XT die Sporen um den nächsten Ort zu erreichen. Im Niemandsland vor der Grenze zum Kongo dreht sich mein Reifenmantel beim Beschleunigen auf der Felge und reißt dabei alle Flicken vom Schlauch. Mit einem Mal ist die Luft raus. Beim Absuchen der Gegend entdecke ich auf einem der Hügel ein großes Grab.10Wozu ein Grab doch noch gut sein kann Genug Platz um das Gepäck im Trockenen zu wissen und die Reparaturen durchzuführen. Mit luftleerem Reifen gräbt sich die Maschine noch zuverlässig den sandigen Pfad hinauf. Bevor der Himmel seine Schleusen öffnet, ist alles sicher und trocken unter dem Grabesdach verstaut. Die Reparaturen können problemlos beginnen, da hier vom Bau des Häuschens noch genug Steine zum Aufbocken der Maschine rumliegen. 11Hotel, Werkstatt und Aussichtspunkt in einem. Suedosten GabonsBevor die Sonne untergeht ist die Arbeit allerdings nicht erledigt. So schlafe ich eine Nacht neben dem Grab von Lucille. 2012 gestorben, scheint es die Familie 3 Jahre gekostet zu haben die Finanzen für die Errichtung des Grabes zusammen zu bekommen. Der Bau ist höchstens einen Monat alt. Da hat die gigantische12Mittlerweile klappt das Reifenhebeln mit nahezu jedem erdenklichen Werkzeug. Spezielle Reifenheber sind nur ueberfluessiges Gewicht Geldverschwendung der Verwandten doch noch etwas gebracht und einem Reisenden Schutz gewähren können. Man hat beim Betrachten der pompösen Gräber, in Relation zu den schäbigen Hütten, die sonst in Gabun vorherrschen, den Eindruck, den Toten werde mehr Aufmerksamkeit zuteil als den Lebenden. Die Luft ist noch drin am nächsten Morgen, also wird das Rad wieder eingebaut. Es kann weiter gehen. Die Grenze bei Lekoni ist sehr überschaubar und verläuft auf beiden Seiten problemlos. Die kürzlich von Portugiesen errichtete Straße 09Der neue Toaster von Yamaha. 15min Warmfahren und das Baguette schmeckt wie frisch gebacken. XT 600 Immer ein Genussübertrifft alle Erwartungen, da auf meiner Michelin Karte nur ein Trampelpfad eingezeichnet war. Leider verabschieden sich am späten Nachmittag wieder alle Flicken vom Schlauch. Mein Geld, mein Wasser und meine Vorräte sind nahezu aufgebraucht. Es bleibt nur der harte Ritt auf dem luftleeren Reifen bis in den 80 Km entfernten Ort Boundji. Mit 70 Sachen fühlt es sich duch die Kreiselkräfte an, als wäre wieder Luft im Reifen. Diese verrückte Fahrweise geht aber nur auf, wenn keine Kurven oder kleinere Orte zum Verringern der Geschwindigkeit zwingen. Der Bereich zwischen 40 und 70 ist extrem instabil und führt hin und wieder zu starkem Schlingern bein Bremsen. Von 40 abwärts sinkt der Puls 08Kochen. Vorspeise, Hauptgericht und Desert Linsenwieder. Auch wenn es sehr materialverschleißend und unangenehm zu fahren ist, so wäre ein Sturz bei der Geschwindigkeit mit den Füßen zumindest noch abzufangen. Mit der untergehenden Sonne im Rücken wird die härtere Gangart gewählt. Sturzfrei komme ich in der Dämmerung an, finde noch ein günstiges Hotel, gönne mir ein Mahl und frisches Wasser. Nachts erkunde ich den naheliegenden Markt auf der Suche nach einem geeigneten Schlauch. Etwas ungefähr passendes lässt sich finden. So wird am nächsten Morgen der verschlissene Reifenflansch mit dem Taschenmesser wieder angeraut, das gerissenene Felgenband mit Eisenzwirn zusammengenäht und alles mit dem eigentlich viel zu kleinen Schlauch zusammengesetzt und aufgepumpt. Passt! Bleibt nur noch das Hotel zu bezahlen. Leider gibt es hier keine Bank. In der nächsten Wechselstube kann man nur Geld über Mpesa, also per Telefon bekommen. Als ich dem dortigen Mitarbeiter mein Problem erkläre, lässt er alles stehen und liegen und klappert mit mir die verschiedenen Ecken ab, in denen er glaubt jemand könnte Dollars tauschen. Leider erfolglos. Schließlich geht er mit mir zum Chef des Hotels. Nach kurzer Diskussion reichen meine verbliebenen Groschen um das Zimmer zu bezahlen. Als ich mich dankend verabschieden möchte, drückt mir mein Helfer noch 2000 CFA in die Hand. Bestimmt sein halber Tageslohn. Gerd in Brazzaville730219935 5267Damit ich mir was zu essen kaufen kann, erwidert er mit einem Lächeln auf meinen fragenden Blick. Er kennt nicht einmal meinen Namen. Ebenfalls mit einem Lächeln ziehe ich den Helm auf und bewege mich in Richtung Brazzaville. Die Straßen bleiben gut, es geht voran. Für die Nacht komme ich in Ngo gratis auf der überdachten Restaurantterasse eines relativ teuren Hotels14So schnell sieht man sich wieder. Gerds GS und die kleine XT in Brazzaville, Republik Kongo unter, sehr praktisch bei dem nächtlichen Gewitter. Nach drei Stunden Regenfahrt klart es, auf halbem Weg der letzten Etappe nach Brazzaville, wieder auf. Zügig fahre ich in die Hauptstadt der Republik Kongo hinein. Mit leerem Magen wird bei einem libanesischen Restaurant an der Hauptstraße halt gemacht. Beim Parken traue ich meinen Augen kaum. Im hinteren Bereich der Terrasse steht eindeutig die Maschine von Gerd. Also verbringen wir den Rest des Tages mit dem Erfahrungsaustausch der vergangenen 3000Km und schlafen im, dem Restaurant angegliederten, Hotel. Gerd kann laut seinem Visum erst in einer Woche in die Demokratische Republik Kongo, DRC, einreisen. Einen etwas knapperen Zeitplan im Nacken, entscheide ich mich nicht so lange zu warten. Die Grenze zwischen Brazzaville und Kinshasa per Boot zu überqueren ist mir jedoch trotz Zeitersparnis zu riskant. Große Wassergrenzen sind, wie viele Reisende wissen, immer ein Problem. Nahe dem Ort Luozi, im Bakongo, gibt es eine kleinen alternativen Grenzübergang auf dem Landweg. Gerd begleitet mich bis zum Ende des Asphalts nach Boko. Dort heißt es Abschied nehmen, bis wir uns, falls der Plan aufgeht, in Sambia wiedersehen. Es ist bereits Nachmittag und 90Km miese Dreckpiste liegen vor dem Vorderrad. Also rein ins Vergnügen.

13Die Savanne im Westkongo

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Steinzeitfernsehen730111744 77066

... abends Steinzeitfernsehen.