6. Bericht vom 10.01.2015 – 18.01.2015

 

Km 13300 – 14600 Fahrzeit 218h – 238h

 

Nigeria

 

Die Grenzpolizei Nigerias ist weit davon entfernt korrupt oder gefaerlich zu sein.jpgUm nach Nigeria einzureisen ,wähle ich einen kleinen Grenzübergang etwas nördlich von Porto Novo. Das “Auschecken” in Benin läuft reibungslos. Durch eine stacheldrahtbewehrte Schleuse komme ich auf die nigerianische Seite der Grenze. Hinter dem großen Grenzgebäude wird das Bike unter Bewachung geparkt und zum ersten Mal an einer Grenze bekomme ich Temperatur gemessen, meine Gelbfieberimpfung wird überprüft und der Impfpass in Augenschein genommen. Ich durchlaufe den üblichen Polizeicheck und mein Carnet wird vom Zoll gestempelt. Auch eine offizielle Erklärung über zu verzollende Ware muss unterschrieben werden. Hin und wieder kommt durchaus die Frage, ob ich denn ein paar Euros aus Deutschland mitgebracht habe. Nachdem ich den Sheriffs allerdings meine Geschichte und meine positiven Intentionen schildere, werden meisten ein paar Witze über den kleinen Mann auf großer Tour gerissen und wir verstehen uns blendend. Zum ersten Mal ist es hier sogar möglich, die Offiziellen zu fotografieren. Sie genießen die Publicity und möchten auf jeden Fall aufs Titelbild der deutschen Zeitungen kommen. Die folgende Straße ist in gutem Zustand. Nach kurzer Fahrt stoppe ich in einem kleinen Ort um mal wieder etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Die netten Gastgeber meiner ersten Nacht in Nigeria.jpgWas ich für ein kleines Straßenrestaurant halte ist wohl doch nur eine private Kochsession für die Familie. Umso größer ist dann jedoch die Begeisterung, als ich mich dazu geselle. Englisch ist hier wieder vorherrschend und fast alle sprechen hier fließend, jedoch mit dem ein oder anderen schwer verständlichen Akzent. Was als kurze Stärkung geplant war artet in eine Art Familienfest aus. Als mir schließlich ein Schlafplatz angeboten wird, lasse ich mich breitschlagen. Am nächsten Morgen geht es früh auf die immer noch vorzügliche Straße an Lagos vorbei auf der” Trans Afrika Route” über Benin City bis in das östliche Obudu Mountain Range. In den 3 Tagen ,die ich für die Durchquerung des Nigerdeltas benötige, treffe ich wie gewohnt auf außergewöhnlich nette Nigerianer. Gastfreundschaft in jedem Dorf welches ich durchquere.jpg Ich verbringe zwei Nächte im Dschungel und eine weitere in einem netten Dörfchen. Ich fühle mich sicher hier im südlichen Teil des Landes. Man merkt, dass das Land im Aufbruch begriffen ist und die Wirtschaft hier zu wachsen scheint. Der Rauch und die Abgase sind kaum zu ertragen. Die Geschwindigkeit muss bergauf gedrosselt werden, da man bei den Rußwolken der Lkws teilweise nur wenige Meter weit sieht. Das es keinen Anreiz zur Ökonomisierung gibt, merkt man schon am Spritpreis von 46 Cent pro Liter. Der Verkehr hier ist nahe den Metropolen milde gesagt überlastet. Und was der Verkehr in der Stadt an Dunst produziert, übernimmt in den ländlichen Gebieten die Brandrodung der Busch- und Waldgebiete. So nett die Menschen sind, so rücksichtslos ist der Verkehr und so gnadenlos der Umgang mit der Natur. Die Müllmassen und der Gestank auf den, oft nahe der Hauptstrasse liegenden, Müllhalden sind extrem. Es ist traurig was unkontrolliertes Wachstum mit sich bringt. Nach der schlechten Luft in der Ebene habe ich, im Gegensatz zur lokalen Bevölkerung, das Privileg mich in die spärlich besiedelten Berge nahe der Grenze zu Kamerun zurückzuziehen. Auf dem Weg dorthin werden die Straßen schlechter und die Polizeikontrollen häufiger. Dazu kommen dreiste, selbst ernannte Polizisten in Zivil, welche hin und wieder Straßensperren errichten und versuchen eine Straßenbenutzungsgebühr abzuziehen. Beim ersten Mal halte ich an und komme nur schwer und mit viel Überzeugungsarbeit wieder hinaus. Beim zweiten Mal fahre ich vorsichtig um die Holzstämme und Flatterbänder herum. Bei den folgenden Sperren ist der Spaß vorbei. Der Gashahn wird aufgerissen, die Lichthupe und die akkustische Version selbiger läuft in Endlosschleife und mit afrikanischem Optimismus und unangepasster Geschwindigkeit geht es ab durch die Mitte. Die Strasse zum Obudu Mountain Resort wurde aus Norditalien Importiert. Mit Sicherheit die beste und kurvigste seit ich Europa verlassen habe.jpgIn den Oboudu Bergen wie eine italienische Passstrae.jpgIn den Oboudu Bergen.jpgGegen Mittag gleite ich die scheinbar aus Norditalien importierten Serpentinen zur 1800m hoch gelegenen Obudu Cattle Ranch hinauf. Die Ranch entpuppt sich als Ferienresort mit europäischen Standards und leider auch Preisen. Meine erste Bekanntschaft in der Obudu Cattle Ranch ist der sehr gebildete Security Officer Boniface.jpgMit zwei Euro für einen Kaffee geht mein Tagesbudget für Nahrung auf einenSchlag drauf. Nach einem sehr netten Gespräch mit einem gebildeten Security Officer in Oxford Englisch habe ich die günstigen Essens- und Einkaufsmöglichkeiten in den umliegenden kleineren Dörfern schnell gefunden. In der Dämmerung ziehe ich mich mit der XT in die Berge zurück und genieße den Sonnenuntergang. Bei alpinem Panorama und sternenklarem Himmel wird bei entsprechenden Temperaturen ein prasselndes Feuer entzündet. Um nichts in der Welt wollte ich diesen Schlafplatz gegen eine der putzmittelgeschwängerten, marmorverkleideten, vollklimatisiertenNach Bekanntschaft mit dem Security Officer ist es kein Problem die President Suite der Ranch zu Besichtigen. Der Balkon gefaellt mir am besten.jpgRueckzug in die Berge. Die Ranch ist eindeutig zu teuer und das ueberlegene Panorama ist mir genug um auf den Luxus zu verzichten.jpgDie Trials in den Obudu Moutains sind fantstisch.jpgEin wenig balancieren am Abgrund bringt den Kreislauf am fruehen morgen in chwung.jpgHotelzellen tauschen. Als ich am nächsten Morgen aufbreche um mich durch die Bergstraßen treiben zu lassen, fällt mir der platte Hinterreifen auf. Da die Reifenheber in Lome ausgemustert worden sind und Wasser zur Lochsuche auch knapp ist, fahre ich die Werkstatt der Ranch an. Dort wird mir nach Einladung zum zünftigen Mittagessen mit den Mechanikern tatkräftig zur Hand gegangen. Nachdem der Reifen geflickt ist, lohnt sich die heutige Weiterfahrt nicht mehr. Kurzerhand bietet mir ein Freund von Daniel, Daniel der Mechaniker und Bergfuehrer.jpgWith a little Help from my friends wird der Reifen von der Felge getrennt.jpgdem Chefmechaniker, einen Schlafplatz in seiner Wohnung an. Da ich mich nun eingelebt habe, verbringe ich den nächsten Tag mit Daniel, der sich neben seiner Tätigkeit als Mechniker auch als Bergführer ein Zubrot verdient. Er zeigt mir die besten Ausblicke, Wasserfälle und die Berggorillastation. Leider ist der Eintritt für mich unerschwinglich und die Tiere werden hier ohnehin eingezäunt gehalten, was ich mir auch in einem Zoo anschauen kann. Isiya und seine Familie.jpgAm Abend lerne ich die Familie meines Gastgebers, Isiyaku, kennen. Seine bezaubernde Frau Adama, seine beiden Töchter Zeinab und Mansura und seinen Ältesten sJubril. Die Gastfreundschaft Adamas steht der ihres Mannes in nichts nach und mit bei den Kindern habe ich, spätestens mit dem Vorschlag eine Runde Fussball zu spielen ,ein Stein im Brett. Isiya beim Grillen der Forellen.jpgGrillfisch.jpgZur Feier des Tages wird die Grillsaison im neuen Jahr mit Forellen und Bananen ausgerufen. Köstlich!. Am nächsten Tag ist mal wieder die Abreise geplant. Bei dem traurigen Lächeln des Ehepaars und dem Hundeblick der Kinder bringe ich es jedoch nicht übers Herz. Der Tag Rinder streichelnverstreicht mit der Wanderung zu Isiyakus eigener Rinderfarm und dem Spielen mit den Kindern. Gegen Abend lerne ich in der Bar des nahe gelegenen Hotels noch einen der Schweizer Manager, Hans, kennen. Somit habe ich auch die Möglichkeit mir einen Laptop zu leihen um mal wieder einen Bericht zu tippen und mir ein paar Infos über meine weitere Route einzuholen. Am nächsten Tag führt mich eine asphaltierte, kurvige und blitzsaubere Straße durch die Täler der Obudu Mountains Richtung Calaba. Ich habe viel Zeit über die gewonnenen Freunde auf der Cattle Ranch nachzu- denken. Einen besonderen Eindruck hat Isiyakus selbstlose Gastfreundschaft hinterlassen. Zuletzt hat er es sich nicht nehmen lassen mir noch Wasser, Reiseproviant und natürlich die besten Wünsche mit auf den Weg zu geben. Auf der Höhe von Ikom geht es wieder auf die von LKWs zerstörte Hauptstraße. Bei mehr Löchern als Asphalt ist höchste Aufmerksamkeit erforderlich um sich nicht die Felgen an den spitzen Asphaltkanten zu zerstören. 80Km vor meinem ursprünglichen Tagesziel, Calabar, lässt die Aufmerksamkeit nach und ich fahre in einen nahegelegenen Bambuswald um mein Zelt aufzuschlagen. Zeitig breche ich am nächsten Morgen auf um das Konsulat Kameruns in Calabar zu suchen. Jüngst in ein anderes Stadtviertel umgezogen, gestaltet sich die Suche nach selbigem etwas schwieriger als gedacht. Wohngemeinschaft nahe Chez Alice lerne lokale Gerichte zubereiten.jpgEndlich angekommen werde ich zunächst mit der Ausrede vertröstet, der zuständige Konsul sei nicht im Haus. Ich warte. Plötzlich heißt es, die Visaausgabe sei nur bis 11 Uhr morgens möglich. Ich warte. Die Hartnäckigkeit zahlt sich wie immer aus und die Vorzimmerdame des Konsuls nimmt sich meiner an. Es wird nun behauptet, die Einreise nach Kamerun sei momentan nur mit dem Flugzeug möglich. Ich warte. Schließlich bekomme ich ein Formular vorgelegt, auf welchem ich mein Visum beantragen kann. Die Dame fordert umgerechnet 100 Euro für das Visum. Nach kurzer Nachfrage beim Security bekomme ich die Bestätigung: Es handelt sich hier um die offizielle Visagebühr. Also muss der Geldbeutel bluten. Da die Lust heute noch Richtung Grenze zu fahren gering ist, lerne ich am nächsten Früchte- und Gemüsestand die junge Verkauferin kennen, die mir spontan ihre Wohnung anbietet. Die Wohnung entpuppt sich als WG von Studentinnen und Studenten, Arbeitern und Arbeitslosen, jung und alt. Ich werde bekocht, habe ein Dach über dem Kopf und als Dank für die Unterkunft lerne ich mit den Kindern Englisch und Mathe. Beim versuchten Aufbruch am nächsten Tag muss ich mal wieder feststellen, dass mein Reifen relativ luftleer ist. Die Reparatur zieht sich bis Mittag und so verbringe ich eine weitere Nacht in Calabar. Kein Problem bei der netten Atmosphäre. Früh wird dann am nächsten Morgen gestartet. Es geht die bekannte Schlaglochpiste bis nach Ikom hoch um von dort aus die letzten 60 Km bis zur Grenze von Kamerun auf bestem Asphalt zurückzulegen. Auf nigerianischer Seite habe ich viele netten Gespräche mit dem Zoll, den Grenzpolizisten und den Immigration Officers. Auf der Seite von Kamerun stehe ich vor verschlossenem Tor. Nach dem vielen Trubel in den Doerfern mal wieder ein ruhiges Plaetzchen im Dschungel.jpgDie Grenzbeamten lassen nicht mit sich diskutieren. Die Freundlichen auf der nigerianischen Seite lassen mich trotz des jetzt ungültigen Visums wieder einreisen. Wenn es nicht legal gewollt ist, dann wird eben illegal eingereist. Wäre ja noch schöner wenn die Tour wegen einer geschlossenen Grenze beendet wird. Es gibt die Möglichkeit mit dem Boot und ein paar Bestechungsgeldern für die richtigen Polizisten über den Grenzfluss im Süden Kameruns einzureisen. Da Korruption von mir allerdings nicht unterstützt wird, starte ich die Informationssammlung zu alternativen Grenzübergängen dort ,wo ich die besten Freunde habe … auf der Cattle Ranch. Eine Nacht im Busch in der Nähe der Grenze und am nächsten Morgen treffe ich gegen Mittag auf der Ranch ein. Gerd ist eine halbe Stunde früher als ich eingetroffen. Da ich in den Straßenrestaurants und den Polizeicheckpoints schon erfahren habe, dass der” Wikinger” in dieselbe Richtung unterwegs ist, habe ich mit einem Treffen auf der Ranch gerechnet. Natürlich beschließen wir den Weg über die Grenze gemeinsam zu meistern. Über die vielen Bekannten hier finden wir auch schnell eine Möglichkeit durch die Berge nach Kamerun zu gelangen. 35Gerd fliegt durch die Serpentinen der Cattle Ranch RoadDer Grenzübergang soll irgendwo vor dem kleinen Stadtchen Akwaya liegen. Laut Karte entspricht die Qualität der Straße einem besseren Wanderweg und es gilt außerdem einige Flüsse zu durchqueren. 200Km üble Piste liegen vor uns. Stärken können wir uns noch bei einer Grillparty, die Isiyaku spontan ausruft, als ich ihn in der Werkstatt der Ranch begrüße. Bis tief in die Nacht sitzen wir noch am Feuer und unterhalten uns wie alte Bekannte. Jetzt heißt es leider wirklich Abschied nehmen. Die Frage, wann ich wieder komme, kann ich wie üblich nur mit einem traurigen Lächeln abtun. Die Straße ruft und die Maschine giert nach neuen Herausforderungen. So geht es von nun an wieder durch den Dreck. Die kommende Etappe wird wohl die bisher Schwierigste ...

Nachts wirds kalt auf 1800m. Ein wenig Holz und Benzin schaffen Abhilfe.jpg