17. Bericht vom 12.05.2015 - 22.05.2015

 

Km 32000 - 32800 Fahrzeit 520 - 531

 

Südafrika

 

28 Grenzenlose Landschaft im Sueden NamibiasDie Sonne erhebt sich langsam über den roten Dünen der nördlichen Namib. Noch während am Horizont die Farben vom schwachen Rosa ins rötliche umschwenken, nehme ich Abschied von Tina und Christian. Den kühlen Fahrtwind im Gesicht, folge ich der schnurgeraden, steinigen Piste nach Süden. Immer an der Ostgrenze des Namib-Naukluft-Parks31 Orx Antilopen ueberleben in den trockensten Gebieten33 Schwung holen fuer die Duehnen 30 Mittagsschlaf unter dem Einzigen Baum seit 20 Kilometernentlang. Kubus, Oryxantilopen, Gnus und Strauße säumen meinen Weg und wirken seltsam deplaziert in dieser kargen Sandlandschaft. Rechter Hand erheben sich die roten Dünen in ihren weichen Kurven bis zum blauen Himmel, zu meiner linken dunkle, schroffe Felsklippen mit langen Schatten vor 34 Sonnenuntergang, noch 100Km bis nach Suedafrika32 Rechts Suedafrika, links Namibiader niedrig stehenden Sonne. Über Aus fahre ich heute auf einem Hochplateau bis zur kleinen Minenstadt Rosh Pinah nahe des Diamantensperrgebiets. Des Öfteren sehe ich scheinbar willkürlich aufgestellte Funkmasten und Zäune mit alten Warnschildern. Auch einige große Abbruchstellen mit großen Tiefladern und verrosteten Hütten kann ich durch das Fernglas beobachten. Dass dort jedoch ernsthaft Diamanten abgebaut werden lässt das lasche Sicherheitsaufgebot bezweifeln. In einem verlassenen Felskrater mit ein paar senkrecht stehenden Rohren schlage ich mein Lager auf. Es ist windstill und die Wärme hält sich in dem Kessel länger als auf dem flachen Grund der Hochebene. Die Rohre schienen vor einiger Zeit Probebohrungen gedient zu haben. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit rollt ein tiefes Grollen durch die Ebene, gefolgt vom Erzittern der Erde. Die Reflektion des Schalls durch die Kraterwände und das Klappern der Steinchen, die sich von der Wand lösen, verleihen dem Beben Nachdruck. Offensichtlich scheinen die aktiven Abbaugebiete nicht allzu weit weg zu sein. Bis kurz nach Mitternacht wiederholt sich dieses Phänomen des Öfteren.

Kurz vor Sonnenaufgang erzittern die Wände nochmals als mit einem kräftigen Kick der Motor erwacht. Nur raus hier bevor noch Suchtrupps der Diamantenkartelle auftauchen. Über das Zentrum Rosh Pinahs geht es am Ufer des Orange 25 Der Orange RiverRivers gen Osten. Der Orange verläuft von Ost nach West und bildet die natürliche Grenze zu Südafrika. Im Norden grenzt die schmale, kurvige Piste an steile Felsflanken. Im Süden spiegelt der klare, saubere Lauf des Orange die Sonne 24 Der Canyon in voller Prachtund das Bergpanorama wieder. Etwas Nebel zieht bei frischer Morgenluft durch die angrenzenden Täler. Nach einiger Zeit knicke ich, dem Lauf des Fish folgend, nach Norden ab. Die Piste wird steinig, die Temperatur steigt und die Vegetation verschwindet nahezu gänzlich. Nähert man sich dem Fish River Canyon von Süden, vermutet man am Horizont nichts als flache Wüste, bis sich zur linken ein Riss in der Erde erahnen lässt. Noch ein paar Kilometer und es gibt eine Piste gen Westen, die sich dem Canyon nähert. Den Wanderern folgend, beiße ich mich mit dem Bike bis an die Abbruchkante des Canyons durch.Der Lohn meiner Anstrengung ist ein atemberaubender Ausblick.23 Bis an die Kante sollte man sich als Wanderer wegen abbruchgefahr nicht wagen...von Motorraeder stand nichts auf dem Warnschild

02 Sunset am Strand von Bloomberg14 Sonnenuntergang am Camps BayDer Weg führt nun nach Grünau, um von dort aus die Grenze Südafrikas zu passieren. Es wird wegen der vielen zurückgelegten Kilometer wohl dunkel bevor ich an der Grenze ankommen werde. Am späten Abend drehen sich die Reifen das erste Mal auf südafrikanischem Asphalt. Die21 Ai Ais...soll wohl ein Ortsname sein27 Erste Hilfe fuer die verirrten Touristen Markierungen und die Beschilderung sind vorbildlich, weshalb ich das Gefühl habe, gefahrlos in der Dunkelheit noch ein paar Kilometer zurücklegen zu können. Bei Springbok gönne ich mir nach einiger Zeit mal wieder eine warme Dusche auf einem schönen Campingplatz. Der Genuss ist kaum in Worte zu fassen. Gutes Wetter begrüßt mich bei nun etwas geringeren Temperaturen am nächsten Morgen. Es geht auf den Winter zu in Südafrika. Die Vorfreude steigt mit jedem Kilometer Richtung Süden. Der Einzylinder verrichtet mit sonorem Brabbeln und den üblichen Vibrationen gewohnt zuverlässig seine Arbeit. Den Wind im Gesicht und das Ruder in der 18 Endlose Pisten entlang der DuehnenHand werden die letzten sonnigen Stunden auf dem Bike genossen und die Tour darf nochmals Revue passieren. Gemischte Gefühle begleiten diesen Zieleinlauf. Doch überwiegen tut eindeutig der Triumph über all die Zweifel und Zweifler. Es ist geschafft!01 Mein erster Blick auf Kapstadt

Mit der untergehenden Sonne taucht der Tafelberg hinter der Bucht Kapstadts auf. Bei diesem Ausblick wird im erstbesten Strandrestaurant ein frischer Fisch genossen. Mit der Dunkelheit lege ich mich am Strand zum schlafen. Die Entspannung wird leider jäh unterbrochen, als ich beobachten muss, wie versucht wird meine Taschen zu durchwühlen. Da die Reißverschlüsse derart dreckverkrustet und abgenutzt sind, bleibt es bei dem Versuch und ich kann die beiden Gestalten zügig verjagen. Meine Hygienetasche haben sie beim schnellen Reingreifen dennoch erbeuten können. Glückwunsch zu einer 7 Monate benutzten Zahnbürste, etwas Reinigungspaste, zwei abgelaufenen Kondomen und einer fast leeren Handdesinfektionsmitteltube. Schadenfreude hat hier wohl eher der vermeintlich Geschädigte. Trotz des glimpflichen Ausgangs wechsle ich den Standort und lasse mich in einem bewachten Parkhaus eines Luxushotels in einer dunklen Ecke nieder.04 Panorama Tafelberg im Mogengrauen

08 Wildblume am Devils Peak06 Lions Head, eine schoene Wanderung wertAm nächsten Morgen scheint das Wetter etwas schlechter zu sein. Tiefhängende Wolken verhindern das Durchbrechen der Sonne. Es ist kühl und feucht. Im Sattel wird die Innenstadt Kapstadts und schließlich die umliegenden Kurven erkundet. Beim Erklimmen des Signal Hill 05 Der Tafelberg von Sueden ausoberhalb von Kapstadt - Green Point lichten sich die vermeintlichen Wolken mit jedem erklommenen Meter. Zum Vorschein kommt ein Nebelmeer, welches über der Stadt zu kleben scheint. Die Geräusche sind gedämpft. Es wirkt, als sei ich wieder in unberührter afrikanischer Wildnis. Nach Westen der Blick in den Atlantik, nach Osten die Klippen des Tafelbergs, vor mir das Meer aus Nebel und hinter mir ein ursprünglicher, fast mediterraner Nadelmischwald . 33.000 Kilometer für diesen Moment. Die Gefühle lassen sich nicht einfangen.

 

07 Etwas anspruchsvoller ist der Kettenpfad zum Gipfel12 Mit Mias ueber Seapoint, Kapstadt.Auf dem Parkplatz des Signal Hill halte ich an und schäle mich in der Sonne aus meinem verdreckten Textilkombi. Einer der Paragliding Guides, welche von hier aus über die Stadt gleiten, spricht mich an. "Wo zur Hölle kommst du her? Aus der Wüste? So siehst du aus!" Nach kurzem Gespräch muss Mias zur 10 Seham, Elizabeth und Ich kurz vorm Ziel29 Mias liebt sein BueroAbsprungzone. Ob ich schon einen Schlafplatz in Cape Town hätte, fragt er und gibt mir seine Mobilnummer. Nach der finalen Tour über den Chapmans Peak wird das Bike in einem Industrieviertel Kapstadts verladen. Es ist ein komisches Gefühl nach einer derart langen Zeit ohne Motorrad zu sein. Die 22 Am schoensten ist es in guter Gesellschaft zu reisen19 Im Morgengrauen wird sich eingesprungen wenn gerade keine Touristen gebucht habenWelt scheint plötzlich viel größer, alles ein wenig unerreichbarer ohne den Motor unterm Hintern. Das Gepäck wird auf einen kleinen Rucksack und eine Montur Kleidung reduziert, der Rest kommt in den Container. Thomas alias "Hein van der Werft" nimmt mich nach Verl11 Klippschliefer auf dem Tafelberg aden der Maschine und15 Was willst du tun bevor du den Loeffel abgibst. Wie waers mit ner Tour nach Kapstadt. Vertragsschluss per Handschlag noch netterweise mit in die Stadt. Mein neuer Kumpel vom Signal Hill liest mich dort auf und wir fahren zu seiner Familie in den Vorort Paal. Er ist wieder ein leuchtendes Beispiel von Offenheit und Gastfreundschaft, wie es mir so oft auf meiner Tour begegnet ist. Die nächsten Tage in Kapstadt werden mit ihm, seiner Frau Cecilla und vielen neuen Freunden ausführlich gefeiert. Klettern, Bergsteigen, Paragliden oder einfach mal nachts in einer der vielen Kneipen die Bongo in die Hand nehmen. In Kapstadt wird es nie langweilig. Was ich mir auf der Tour oft gewünscht habe wird hier zumindest in einem kleinen Mikrokosmos wahr. Menschen aller Nationalitäten, Religionen und Hautfarben leben hier miteinander und sind überwiegend tolerant, offen, vorurteilsfrei und vor allem hilfsbereit. Auf dem Rückflug lege ich die über 7 Monate mit Emotionen und Erlebnissen gefüllte Strecke in nur 24 Stunden zurück.03 Am Tafelberg ueber Kapstadt.

In unserer privilegierten Lebensweise sind wir in der Regel derart abgehoben, dass wir von all den Problemen dort unten gar nichts mitbekommen!20 Abgehoben. 24 Stunden Rueckflug ueber Abu Dhabi.